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16.05.2012, 16:27

Der ungebrochene Wunsch nach Wärme und Gemütlichkeit

In Stuttgart trafen sich Partner, Kunden und Gäste der HAGOS eG, um auf der aktuellen Börse die Trends bei Einzelfeuerstätten zu erleben. Der Markt hat ein stabiles Potenzial, was auch für den Brennstoffhändler interessante Geschäftsmöglichkeiten eröffnet.

Vergleicht man die Marktentwicklung der Wärmeerzeuger, wie sie aus der Statistik des Bundesindustrieverbandes Deutschland Haus, Energie- und Umwelttechnik (BDH) hervorgeht und nach der 2011 insgesamt 639.500 Geräte verkauft wurden, kann sich der Absatz an häuslichen Einzelfeuerstätten 2011 mit insgesamt 408.000 sehen lassen. Diese vom HKI – Industrieverband Haus, Heiz- und Küchentechnik erhobene Zahl spricht für die ungebrochene Begeisterung der Deutschen für Öfen, Kamine und Kaminöfen, aber auch für Herde oder Pelletöfen.

Die Branche ist also nicht ohne Grund optimistisch, was sich bei der HAGOS-Börse 2012, Mitte März in Stuttgart, deutlich gezeigt hat. Die von der HAGOS alljährlich ausgerichtete Fachveranstaltung richtet sich an alle Partner und Kunden der Genossenschaft und vermittelt in geradezu familiärer Atmosphäre einen Eindruck von den Trends im Markt der Einzelfeuerstätten.

Von Heizeinsätzen über funktionale Geräte bis zu ausgefallenen Designvorschlä gen, Kacheln und ganzen Konzeptideen war alles vertreten, was die Akteure aus dem Handwerk interessiert.

Die Kachel bietet vielfältige Designvarianten. - Foto: Ceto/Manz

Das Motto der HAGOS-Börse 2012 „Wärme Kultur trifft Lebensart“ machte deutlich, wo der Schwerpunkt des handwerklichen Ofenbaus liegt: im Schaffen eines besonderen Lebensgefühls durch moderne und den individuellen Wünschen des Kunden angepasste Einzelfeuerstätten, die nicht nur höchsten technischen Anforderungen genügen, sondern mit ihrem Design zur Bereicherung des Wohnumfeldes beitragen sollen. Kurz gesagt: Die Verbindung von Hightech und Schönheit.

Rund 3.400 Fachbesucher bewunderten die Stände der 50 Aussteller, die auf 2.400 qm Fläche alles boten, was das Herz des Ofenbauers erfreut. Dabei waren die Produktkategorien Kachelofen, Heizkamine, Kaminöfen Herde und offene Kamine vertreten. „Der Markt ist stabil und die Nachfrage ungebrochen. So wuchs die HAGOS-Börse in diesem Jahr auf eine neue Rekordgröße“, wie Vorstand Guido Eichel stolz berichtete.

Dabei liegen die Schwerpunkte der einzelnen Produkte durchaus unterschiedlich. Steht beim Heizkamin das Feuererlebnis im Vordergrund, dient der Grundofen mit seiner höheren Masse und der trägeren Anheizphase dazu, länger Wärme zu spenden. Andere Feuerstätten, die mittels Wasserführung in den Heizkreislauf des Hauses eingebunden werden können, sind für diesen Zweck optimiert und geben nur noch einen kleinen Teil ihrer Wärme direkt in den Raum ab.

Ein Beispiel ist der Pellet-Primärofen wodtke ivo.tec mit einem wasserseitigen Leistungsanteil von rund 95 Prozent. Samt Pelletvorratsbehälter ivo.tower findet so ein komplettes Heizungssystem auf 1,5 qm Stellfläche Platz. Neu bei wodtke ist auch der Kaminofen Tio air+, der mit einer Heizleistung von 6 kW bestens für Niedrigenergiehäuser geeignet ist. Der über dem Feuer raum positionierte wodtke HiCleanFilter ® hält vor allem die in der Anfangsphase eines jeden Abbrandes entstehenden Partikel zurück. Nach Überschreitung der Zündtemperatur werden diese verbrannt und der Filter ist wieder frei. Ob „Tio“, „Giro“ oder „Momo“ – all diese Kaminöfen hat wodtke mit der water+ Technologie ausgerüstet, mittels der 70 Prozent der Heizleistung in den Heizkreislauf geht – ein Vorteil für Räume mit geringem Restwärmebedarf.

Spartherm stellte u. a. einen wandhängenden Kaminofen vor und der Schamotte-Spezialist Rath zeigte, was beim Ofenbau alles möglich ist.

Wandhängend bietet auch Olsberg mit dem TURIA COMPACT, ein Modell an, dass sich mit 5 kW Nennwärmeleistung eben falls am Bedarf neuer Gebäude orientiert. Ein weiteres technisches Extra ist der mit Fernbedienung ausgestattete elektronische Türantrieb von Schmid für alle hochschiebbaren Kamineinsätze.

Wer besonders sparsam mit dem Brennstoff umgehen will, kann dies mit der besonderen Verbrennungstechnik des UNICA aus dem Hause Leda. Schon ein einzelnes gespaltenes Scheitholz ergibt stehend im gusseisernen Brennzylinder wohlige Wärme.

Der niederbayerische Ofenhersteller Brunner präsentierte die BRUNNER-Heizzentrale (BHZ), die das Unternehmen auch die „Heizung mit Funktionsgarantie“ nennt. Das besondere daran: Mit der Steuerung können über ein Touch-Farbdisplay alle Einstellungen logisch und kinderleicht vorgenommen und verändert werden. Damit ist ein optimales Zusammenspiel der Wärmeerzeuger (z. B. Einzelfeuerstätte, Öl- oder Gaskessel, Solaranlage) und der Speicherung und Wärmenutzung möglich. So lässt sich die Heizung auch von einem „ganz normalen Hausbewohner“ ohne Probleme einstellen und bedienen. Dabei bleibt das System variabel und kann je nach Bedarf neue Heizkomponenten integrieren.

Wie schön Kacheln sein können, ließ sich u. a. beim österreichischen Hersteller WOK (steht für Walbersdorfer Ofenkachel) bewundern. Mit dem kleinen Kachelofen erlebte die Kachel einen Aufschwung, die eine angenehme Wärmeausstrahlung bietet. Besonders schön ist die Design-Keramik obendrein, mit ihren vielen Farben und Mustern.

Matthias Borgmann von Vattenfall freute sich beim Rundgang durch die Halle, dass bei der Mehrzahl der ausgestellten Festbrennstoff-Geräte nicht nur Holz, sondern auch Briketts eingesetzt werden können. Hans-Günter Schowalter, Vertriebsleiter für Heiz-und Kamineinsätze bei Buderus, bestätigte diesen Trend: „Immer mehr Kunden fragen direkt danach, ob man auch Briketts verwenden könne.“

Für ihn ist es jedoch entscheidend, dass jeder Brennstoff möglichst effizient verwendet wird. So sieht er auch in der von Buderus initiierten „Austauschaktion“ eine wichtige Maßnahme, um auf einfachem Weg viel zu erreichen. 1,2 Millionen Heizeinsätze hat der Hersteller zwischen 1955 und 1990 in Deutschland an das Ofenbauer-Fachhandwerk vertrieben. Aufgrund der Emissionsprüfungen im Rahmen der 1. BImSchV stehen schätzungsweise 300.000 davon in den nächsten Jahren zum Austausch an. Der Vorteil bei den Buderus-Geräten: Die Abmessungen bleiben gleich, alt kann gegen neu schnell gewechselt und schöne alte Kachelofenanlagen können erhalten und weiterbetrieben werden. Nur deutlich sparsamer und emissionsärmer. Wichtig für den Bauherren ist die Möglichkeit, mit dem Festbrennstoffgerät das Brauchwasser zu erwärmen. Das spart zusätzlich Energie und damit Kosten.

Schowalter sieht in der HAGOS-Börse eine gute Gelegenheit zum vertieften Fachgespräch. „Man kennt sich persönlich, Kunden und Partner finden gezielt zueinander“, so sein Fazit.

Initiativen gegen Verwendungsverbote und Anschlusszwänge

Als entscheidende Einschränkung des freien Wettbewerbs betrachtet die Branche kommunale Anschlusszwänge und Verbrennungsverbote, mit denen die Verbraucher an einer freien Wahl des Energieträgers gehindert werden.

Der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Kachelofenwirtschaft (AdK), Michael Toplak, sieht hier in den letzten Jahren eine dramatische Entwicklung. Ein Grund, warum sich nun ein breites Bündnis von Verbänden aktiv gegen solche Eingriffe wendet.

So hat die Initiative zunächst ein Faltblatt herausgegeben, das für Handel und Handwerk als Instrument dienen soll, sich erfolgreich zur Wehr zu setzen.

Doch dabei soll es nicht bleiben, so Toplak, denn die Varianten, den Bürger zu bestimmten Energiearten zu zwingen, sind vielfältig. Als Beispiel führt er an, wie Bauherren in Grundstückskaufverträgen verpflichtet werden, sich an kommunale Versorgungssysteme anzuschließen. „Bauland ist knapp und teuer. Da akzeptiert so mancher Bauwillige solche Einschränkungen“, sagt der AdK-Chef.

Deshalb will man künftig Immobilienbesitzer und solche, die es werden wollen, direkt ansprechen und mit einem „Bürgermeisterpaket“ die kommunalen Entscheidungsträger darüber informieren, was eigentlich eine moderne Einzelfeuerstätte ist, und ob sich Fernwärmenetze rechnen.

Es sei nicht hinnehmbar, betont Toplak, dass eine Branche mit dem vorgeschobenen Argument des Umweltschutzes aus dem Markt gedrängt wird, obwohl moderne Feuerstätten sämtliche Anforderungen des Gesetzgebers erfüllen.

Bei Stiftung Warentest 11/2011 wurde der wodtke ivo.tec mit der Bestnote 1,8 Testsieger und errang in der Kategorie „Energie-Effizienz“ die Einzelnote 1,0. - Foto: Ceto/Manz Blick ins Innenleben eines Grundofens - Foto: Ceto/Manz Voll im Trend: der Tolima Aqua Compact von Olsberg mit innovativer Heizwassertechnik und einem patentierten Türschließsystem. - Foto: Ceto/Manz

Trends

Eine Reihe von Trends war auf der HAGOS-Börse deutlich zu erkennen: Mit kleinen Leistungen zielen die Hersteller verstärkt auf den Neubau und aufsanierte, energiesparende Gebäude; ebenso mit der Verbindung von Feuer und Wasser – also der Kopplung der Einzel-Feuerstätten an das Heizsystem. Mit immer ausgeklügelterer Führung und Steuerung der Verbrennungsluft werden die Verbrennungsprozesse optimiert und die Emissionen auf ein Minimum reduziert. Leicht zu bedienende Steuerungen bieten die Möglichkeit, sehr komplexe Heizsysteme zu managen und jederzeit durch neue Komponenten zu ergänzen. Hightech ist ebenso wichtig wie Design, und jede Bauform und jeder Brennstoff hat seine Berechtigung – je nach Anwendungs-Spezifik.

lz auf den großen Zuspruch der Branche: Guido Eichel, Vorstand der HAGOS eG

Am Rande der HAGOS-Börse sprach Brennstoffspiegel und Mineralölrundschau mit Guido Eichel, Vorstand der HAGOS eG über Markt und Unternehmen.

Die Absatzzahlen von Einzelfeuerstätten können sich sehen lassen – auch 2011.
Ist die Branche zufrieden?

Guido Eichel: Ja. Eine wirkliche Krise hat im Ofenbauhandwerk nicht stattgefunden. Vielmehr haben die politischen Unsicherheiten dazu geführt, dass es sich die Leute zu Hause schön machen wollen, statt darauf zu warten, bis das Geld auf der Bank seinen Wert verliert.

HAGOS hat als Genossenschaft rund 1.000 Mitglieder. Wie entwickeln sich die Unternehmen?

Es zeichnet sich eine Konsolidierung ab. Große Betriebe wachsen, kleinere haben es zum Teil schwerer. Ein wichtiges Thema ist die Nachwuchsgewinnung und die Ausbildung junger Fachkräfte. Aktivitäten in diesem Bereich unterstützt HAGOS durch eine eigene Jobbörse im Internet.

Wo sehen Sie entscheidende Treiber im Markt?

Die Diskussionen um Brennstoffverknappung und die Anforderungen, die aus der Energiewende erwachsen, wirken durchaus positiv. Dazu hat Feuer immer eine starke emotionale Seite. Schönheit und Ambiente bestimmen ebenso die Heiztechnik wie Funktionalität. Die Kosten treten dabei oft in den Hintergrund.

Der handwerklich gefertigte Kachelofen kann also Boden gut machen?

Der Kachelofenbauer kann seinen Kunden durch fachliche Beratung führen und auf dessen Wünsche eingehen. Eine Außenhülle aus Putz dauert länger als ein mit Kacheln verkleideter Ofen. Der Preis ist dabei gleich. Einmal stecken die Kosten in der Arbeitszeit, das andere Mal im Material.

Welchen Anteil wird der Grundofen künftig haben?

Ich persönlich sehe für den Grundofen gute Zukunftschancen. Dank seiner guten Speichereigenschaften ist er variabel einsetzbar und unter dem Aspekt der Energieeffizienz selbst im Passivhaus in Verbindung mit einer Wasserführung gut geeignet.

Was ist entscheidend für die kommenden Jahre?

Wesentlich ist die Einbindung der Einzelfeuerstätte in den Heizkreislauf. Das spart Energie und Emissionen. Damit kann moderne Ofentechnik höchste Anforderungen an die Emissionsminderung erfüllen. Die Abgasqualität wird ständig weiter verbessert. Die Geräte werden immer dichter. Durch einen abgeschlossenen Brennraum ist der Abbrand optimal kontrollierbar. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an den Brennstoff. Es nützt wenig, ein tolles Gerät zu haben, aber Holz mit 40 Prozent Restfeuchte. Auch die Materialentwicklung geht weiter. Die Glasfenster haben kaum noch offene Kanten, sondern bestehen aus geschlossenen Flächen.

Keramik ist rückläufig. Speckstein kommt noch als Material für die Verkleidung zum Einsatz. Reine Specksteinöfen sind dagegen weniger gefragt.

Welche Rolle werden Briketts künftig spielen?

Dort, wo die Energieeffizienz wichtig ist, eigenen sich Briketts sehr gut zur Beimischung und dazu, lange Wärme abzugeben. Allerdings muss das Gerät dafür geeignet sein.

Häufig versuchen Kommunen aus unterschiedlichen Gründen, die Verwendung fester Brennstoffe zu verbieten. Wie gehen Sie damit um?

Anschlusszwänge und Verwendungsverbote schaffen ein negatives Umfeld, mit dem sich das Handwerk konfrontiert sieht . Der Kunde muss aber die Möglichkeit behalten, sich individuell für seine Energieform entscheiden zu können. Schon allein, damit Energieversorgung bezahlbar bleibt. Denn Zwang heißt immer Verteuerung für den Kunden und Berufsbeschränkung für das Handwerk.

Schauen Sie in die Gemeinden: Derzeit ist jeder Bürgermeister ein Entscheidungsfaktor, ob das Ofenbauhandwerk ausgeübt werden kann oder nicht – und das meist aus rein wirtschaftlichen Beweggründen. Das kann nicht sein.

HAGOS engagiert sich deshalb in gemeinsamen Initiativen gegen staatliche Eingriffe in den Wettbewerb. Wichtig ist, dass dabei möglichst viele Marktpartner und Verbände an einem Strang ziehen.


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