Ob Heizungsindustrie oder Handwerk – die Resultate der Jahresauswertungen 2011 gleichen sich und zeigen klar, dass sich die Verbraucher bei Investitionen in moderne Heiztechnik sehr zurückgehalten haben.
„Die Energiewende ist in den Heizungskellern der Republik noch nicht angekommen. Genau dort aber verschleudert ineffiziente Anlagentechnik millionenfach Geld, Energie und CO2“, urteilte Elmar Esser, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes Anfang Februar in Berlin.
Er warnte die Politik davor, die Immobilienbesitzer beim Vollzug der Energiewende weiter allein zu lassen. Und damit legte er den Finger in die Wunde. So konnten sich Bund und Länder auch am 8. Februar 2012 im Vermittlungsausschuss nicht über eine steuerliche Förderung von energetischen Sanierungsmaßnahmen an Wohngebäuden einigen. Die Hängepartie geht also weiter.
Die Auswirkungen der noch immer zu niedrigen Modernisierungsrate, die weit entfernt ist von den angestrebten zwei Prozent pro Jahr, spürt das Handwerk ganz konkret.
Zwar konnte die Branche 2011 ihren Umsatz von 34,6 auf 35,6 Milliarden Euro steigern. Dennoch ist ZVSHK-Präsident Manfred Stather mit dem Jahresergebnis nicht rundum zufrieden: „Vor allem vor dem Hintergrund der Energiewende haben wir erwartet, dass das Geschäftsfeld Heizungsmodernisierung 2011 deutlich mehr Platz in den Auftragsbüchern einnehmen wird. Letztlich macht es weniger als ein Drittel aus“.
Nach einer im Auftrag des ZVSHK erstellten EMNID-Umfrage wären die Hauseigentümer und Anlagenbetreiber durchaus bereit, die Energiewende mitzutragen. Sechs Prozent können sich vorstellen, in diesem Jahr ihre Heizungsanlage auf den neuesten Stand der Technik zu bringen – auch wenn es hierfür keine Förderung mehr gäbe. Weitere 12 Prozent sind noch unentschieden, lehnen eine Modernisierung ihrer Heizungsanlage aber nicht grundlegend ab.
Doch in der Realität haben lediglich vier Prozent der Hauseigentümer im vergangenen Jahr nach Angaben des ZVSHK ihre veraltete Heizungsanlage ausgetauscht. „Über 13 Millionen von 17,8 Millionen Heizungsanlagen in Deutschland arbeiten weiterhin nicht effizient – und das im Jahr der Energiewende“, sagte Esser.
Bestätigt wird diese Einschätzung durch Zahlen, die der Bundesindustrieverband Deutschland Haus, Energie- und Umwelttechnik (BDH) für 2011 vorlegte. Während der weltweite Umsatz der Industrie um 1,6 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro wuchs und zu einem Beschäftigungsrekord führte, blieb der Modernisierungsstau in den deutschen Heizkellern bestehen. Im Jahr 2011 wurden 16 Prozent weniger energiesparende Heizungen eingebaut als noch 2006. „Statt die Fahrt in Richtung Energiewende zu beschleunigen, sind wir mit angezogener Bremse unterwegs“, so Klaus Jesse, Präsident der BDH. Laut den aktuellen Zahlen des BDH kaufen die Deutschen, trotz leichter Erholungstendenzen, noch immer weit weniger moderne Wärmeerzeuger als in den Jahren vor 2007. Davon ist auch die Nutzung erneuerbarer Energien betroffen: In nur 25 Prozent aller Investitionsfälle wurden in 2011 Biomasse-Heizungen, Wärmepumpen oder solarthermische Anlagen eingebaut. Einer der wesentlichen Gründe für die Investitionszurückhaltung sei aus Sicht der Heizungsindustrie das Stop and Go in der Förderpolitik, so Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer des BDH.
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