LEIPZIG. (Ceto) Die AMI Leipzig, seit 2010 im zweijährigen Rhythmus und in diesem Jahr die einzige Automobilmesse in Deutschland, hat seit ein paar Tagen ihre Pforten geschlossen. Die Lust nicht nur der Ostdeutschen aufs Automobil ist ungebrochen, das beweist die Zahl der Besucher, die gegenüber der letzten Veranstaltung um 6.000 auf 286.000 zulegte. 13 Prozent der internationalen Besucher kamen aus 35 Ländern. Ebenso international war das Angebot.
Was jedoch gegenüber vorherigen AMIs überraschte: die starke Präsenz alternativer Antriebe. Hier hat Flüssiggas die Nase vorn, machte sich, im Gegensatz zu Erdgas und Elektro, auf der Messe jedoch rar. Vor allem auf die E-Mobile richteten sich viele Blicke. Dabei blieb es nicht. Von 17.000 Probefahrten gingen allein 4.000 auf die drei Stromer Nissan Leaf, Opel Ampera und Renault Twizy. Das Flaggschiff der E-Mobilität, der Tesla Roadster, war ebenso zu bestaunen, bei Kosten von rund 160.000 Euro für den Boliden jedoch nicht probezufahren.
Die Redaktion nutzte die Gunst der Stunde und testete die drei Stromer. Was immer wieder überraschte: die Geräuschlosigkeit und das rasante Anfahrverhalten. Der Nissan Leaf überzeugt durch seine Ausstattung, jedoch ist der Motor nicht sehr stark. Das wiederum nützt der Reichweite, die bei einer vollen Ladung bis 170 Kilometer reicht. Mit einem Preis von rund 37.000 Euro für die Grundausstattung ist er allerdings eher was für E-Fans.
Der Opel Ampera hingegen hat Null Reichweitenprobleme, weil einen kleinen Benzinmotor an Bord, der die
Batterie immer wieder auflädt. So kommt das hervorragend ausgestatte und sehr dynamische Auto auf gut 500 Kilometer – allerdings mit Spritverbrauch von dann gut 5 Litern (je nach Motorenaustattung). Für Pendler hingegen ist er jedoch ideal gegenüber anderen Hybriden wie den Toyota Prius, kann er doch an der heimischen Steckdose aufgeladen werden. Die rein elektrische Reichweite liegt bei 80 Kilometern. Das reicht für den Betrieb nur mit Strom aus. Die Kosten für die Aufladung bezogen auf die gefahrene Strecke betragen etwa ein Drittel der derzeitigen Spritpreise. Die für das Auto jedoch reichen eher in die Obere Mittelklasse. Gut 53.000 Euro müsste man für einen gut ausgestatteten Ampera hinblättern.
Nun zum wohl auffälligsten E-Mobil auf der AMI: Der Renault Twizy sieht nicht wie ein Auto aus und versucht auch gar keines zu sein. Deswegen weist er am radikalsten den Weg in die alltagstaugliche E-Mobilität. Die Reichweite wird mit 75 Kilometern angegeben. Der Stromverbrauch liegt bei etwa einem Zehntel der Kosten wie bei einem Benziner (ebenfalls bezogen auf die zurückgelegte Strecke). Das schafft der Twizy, weil er komplett aus Kunststoff gefertigt wurde, sehr spartanisch zumindest für den Beifahrer ist, der hinter dem Fahrer auf einem Notsitz Platz findet und auf Schnickschnack wie Türen verzichtet. Die gibt es als Halbversion zumindest gegen Aufpreis. Bei miesem Wetter sollte man sich besser warm und wasserfest anziehen. In der Grundversion kostet der Mini-Renault gut 7.000 Euro. Die Batterie wird für 50 Euro je Monat gemietet. Wenn sie platt ist, wird sie von Renault kostenfrei ausgetauscht. Somit wäre der Twizy ein Gefährt für spartanische Pendler. Die Kosten für das außergewöhnliche Mobil, das zudem (fast) steuerfrei ist, haben sich bei einem Pendler, der es täglich nutzt und gut 50 Kilometer bewältigt, schon nach 4 Jahren voll amortisiert.
Die E-Mobilität bleibt spannend, vor allem, wenn viele Menschen wie auf der AMI mit ihr in Berührung kommen und auf Herz und Nieren testen können.
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