Energiewende im Wärmemarkt: Ziele, Kosten, Konsequenzen

Auf dem Neu-Ulmer Energietag stellte Dr. Jörg Adolf, Shell Deutschland, die neue Shell Hauswärme-Studie vor. Brennstoffspiegel sprach mit dem Energieexperten darüber, was auf den Brennstoff- und Mineralölhandel in den kommenden Jahren im Wärmemarkt zukommen könnte.

Herr Dr. Adolf, Sie sind bereits bei der Pkw- Studie 2009 und der Lkw-Studie 2010 Projektleiter gewesen. Nun haben Sie die dritte Studie aus dem Hause Shell vorgelegt. In insgesamt vier Szenarien analysieren Sie, wie sich der Wärmemarkt in den kommenden Jahren unter bestimmten Voraussetzungen verändern könnte.

Warum beschäftigt sich ein Energieunternehmen wie Shell so intensiv mit solchen Szenarien?

Dr. Jörg Adolf: Investitionen in die Energiewirtschaft sind in der Regel hoch und sehr langfristig. Folglich hat ein Energie-Unternehmen wie Shell großes Interesse daran, wie sich seine wichtigsten Energiemärkte mittel- bis langfristig entwickeln. Hierfür setzen wir schon sehr lange Szenario-Technik ein.

Trotz Energieeinsparung, Energieeffizienz und Klimaprogrammen ist Deutschland einer der größten Energiemärkte der Welt. Entsprechend wichtig ist es für uns, mehr über die energiewirtschaftlichen Perspektiven zu erfahren – und auch unsere Sichtweise in die energiepolitische Debatte einzubringen.

Bisher hatten wir für Deutschland ausschließlich Pkw-Szenarien erstellt. Die 2009er Ausgabe war unsere Jubiläumsausgabe – die 25. in 50 Jahren. Da aber zunehmend weitere Verbrauchssektoren ins Visier der Politik geraten, haben wir uns zuletzt dem Lkw- und nun schließlich dem Hauswärme-Bereich zugewandt.

Wie unterscheidet sich eine zukünftige Heizungsanlage von einer heutigen? Wie sieht sie aus?

Zwar muss man grundsätzlich zwischen Bestand und Neubau unterscheiden. Generell lässt sich jedoch sagen, dass die Heizung der Zukunft multivalent sein wird. Moderne Heizsysteme werden sich in Zukunft nicht mehr allein auf Gas oder Öl stützen, sondern mehrere Energieträger gleichzeitig nutzen – zum Beispiel zusätzlich Solarthermie oder Pellets einkoppeln. Der Heizkessel wird folglich eine weniger herausragende Stellung im Heizsystem einnehmen als in der Vergangenheit. Da auch mehr Wärme gespeichert werden muss, kommt einem Pufferspeicher für die häusliche Wärmeversorgung immer größere Bedeutung zu.

Neubauten unterscheiden sich von Altbauten zusätzlich noch durch ein deutlich geringeres Verbrauchsniveau – so wie von der Energieeinsparverordnung und der EU-Gebäudeeffizienzrichtlinie angestrebt. Denn im Neubau lassen sich günstige Verbrauchswerte zu deutlich niedrigeren Kosten erreichen als im Altbau....


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