Helmut Haberl: Wir haben das schon länger in der Diskussion. Ausgangspunkt sind aufgetretene Lücken, etwa im Kyoto-Protokoll. Dieses sieht vor, dass die Emissionen bei der Biomasseverbrennung nicht dem Energiesektor zugerechnet werden, sondern dem Landnutzungsbereich. Wenn nun aber die Biomasse aus einem Land kommt, das keine Reduktionsverpflichtung hat, so werden Emissionen im Landnutzungsbereich vernachlässigt – selbst dann, wenn die CO2-Emissionen viel größer sind als jene der Fossilenergie. Dies ist etwa bei der Palmölgewinnung in tropischen Feucht gebieten der Fall. Wir arbeiten darauf hin, dass es eine einheitliche Bilanzierung gibt. Deswegen schlagen wir ein Berechnungssystem vor, das die Treibhausgasemissionen der Bioenergie vollständig erfasst. Dafür sind genaue Daten nötig, wie viel CO2 weltweit von Pflanzen gebunden wird, wie viel pflanzliche Biomasse insgesamt wächst und wie viel die Menschen davon verwenden – für Ernährung, Futter, als Rohstoff und zur Energiegewinnung.
Helmut Haberl: Die gesamte Biomasse, die Menschen derzeit weltweit nutzen, alles Holz, alle Nahrung, alles Futter der Weidetiere und alle Faserpflanzen, entspricht einer Energiemenge von etwa 230 Exajoule*allerdings entzieht die Ernte dieser Biomasse den Ökosystemen wesentlich mehr Energie, etwa durch ungenutzte Nebenprodukte, durch Bodendegradation oder durch menschlich verursachte Feuer. Rund drei Viertel der globalen Landfläche wird, mehr oder weniger stark, zur Produktion dieser 230 Exajoule benötigt. Um den Hunger zu verringern und eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, werden es in Zukunft noch mehr sein. Zum Vergleich: derzeit verbrauchen wir weltweit etwa 450 Exajoule an Fossilenergie. Ein Umstieg von Fossilenergie auf Biomasse kann daher nicht funktionieren, und selbst wenn wir einen Teil der Fossilenergie durch Bioenergie ersetzen wollen, müssen wir sehr genau auf die ökologischen Effekte achten.
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