LONDON / HAMBURG. 2010 hat die Welt 5,6 Prozent mehr Energie verbraucht als im Jahr zuvor. Das ist eine der Feststellungen im gerade veröffentlichten Statistical Review of World Energy von BP. Hauptauslöser war das Wirtschaftswachstum, das gegenüber dem Krisenjahr 2009 um 4,9 Prozent zulegte. Allerdings haben Europa und Nordamerika daran den geringsten Anteil. Die folgenden Fakten zu den Brennstoffen Öl, Erdgas, Kohle und Erneuerbare sind dem Vortrag von BP-Chefökonom Christoph Rühl entnommen, den er anlässlich der Vorstellung der BP Statistical Review of World Energy in London hielt.
Öl
Wie viele andere Energieträger verzeichneten Ölverbrauch und -produktion 2010 eine starke positive Trendwende. Anders als bei den anderen Kraftstoffen brachte dieser Anstieg allerdings auch ebenso rasant steigende Preise mit
sich: Mit durchschnittlich 80 $ pro Barrel übertraf der Dated-Brent-Preis das Vorjahresmittel um fast 30 %. Dieser Preisruck begann Ende 2010 und setzte sich auch in diesem Jahr fort – der aktuelle Brent-Preis liegt bei fast 119 $ pro Barrel. Andererseits verschleiern diese klaren Zahlen kompliziertere Zusammenhänge, die sowohl dem Wirtschaftsaufschwung (für alle Energiequellen gleichermaßen relevant), als auch der gedrosselten OPEC-Förderung (welche ausschließlich den Ölmarkt betrifft) geschuldet sind.
Größtenteils zeigte sich der Ölmarkt 2010 erstaunlich stabil. In der Zeit vom Herbst 2009 bis zum Herbst 2010 pendelte sich der Rohöl-Preis mehr oder weniger bei 70 bis 80 Dollar pro Barrel ein. Während der Sommer- und Herbstmonate 2010 sank die monatliche Preisfluktuation sogar auf ihren niedrigsten Wert seit 15 Jahren.
Unter diesem Deckmantel der Stabilität bereitete das Wechselspiel zwischen Angebot und Nachfrage den Markt jedoch auf erneute Preissteigerungen vor. Im vierten Quartal 2010 – also noch deutlich vor den Unruhen in Nordafrika und dem Nahen Osten – machte sich dies erstmals bemerkbar, da die starke Nachfrage das Produktionswachstum bereits gegen Ende 2010 überrundet hatte. Vor diesem Hintergrund stieg der weltweite Ölkonsum 2010 um erstaunliche 2,7 Millionen Barrel pro Tag – bzw. 3,1 % - bis auf den Rekordwert von 87,4 Millionen Barrel pro Tag. Diese Steigerungsrate übertraf das Zehnjahresmittel um mehr als das Doppelte: Während die OECD-Länder zum ersten Mal seit 2005 überhaupt eine steigende Nachfrage registrierten, meldeten die Nicht-OECD-Staaten den größten volumetrischen Anstieg aller Zeiten…
Erdgas
Sowohl bei der Produktion als auch beim Verbrauch verzeichnete Erdgas 2010 weltweit ein außergewöhnliches Wachstum. Während die Nachfrageentwicklung vor allem auf die Konjunktur, den andauernden Konsumschub in
Nicht-OECD-Ländern und klimatische Bedingungen zurückzuführen war, kamen auf Angebotsseite vor allem unkonventionelle Gasquellen und LNG zum Tragen. Zu weiteren, weniger sichtbaren Einflussfaktoren zählen die rapide globale Vernetzung, der Wettbewerb zwischen Spotmarkt- und Vertragspreisen sowie der preislich bedingte Umstieg auf andere Energieträger.
Der globale Gasverbrauch stieg um 7,4 %, das bisher höchste Volumenplus aller Zeiten. Während die Nicht-OECD-Länder ihren Marktanteil auf mehr als 51 % ausbauen konnten, verfestigte China seine Position als größter asiatischer Gasmarkt. Doch auch die OECD-Märkte legten stark zu (6,4 % oder + 93 Mrd. m³) und brachen alle bisherigen Verbrauchsrekorde. Desgleichen verzeichnete der globale Produktionsanstieg mit 7,3 % eine Rekord- Zunahme. Davon entfiel 31% auf die ehemalige Sowjetunion, gefolgt vom Nahen Osten.
Die Spotmarktpreise spiegelten diese Marktdynamik wider: Dank des reichlichen Angebots wurde Erdgas auf dem US-Markt zu den niedrigsten Preisen aller liberalisierten Märkte gehandelt. In Europa sorgten Konjunkturerholung und Wetterverhältnisse indes für steigende Spotmarktpreise, die auch in diesem Jahr noch etwas zulegten. Dennoch pendelten sich die Spotmarktpreise dank guter globaler Verfügbarkeit im Durchschnitt unter den ölpreisgebundenen Indexwerten ein. Die Entwicklung der ölpreisgebundenen Indexwerte war hingegen ungewöhnlich: Während der Preis für japanisches LNG im vergangenen Jahr um 20 % anzog, fiel der durchschnittliche deutsche Importpreis trotz überwiegender Ölpreisbindung um 6 %...
Kohle
Wie alle anderen Kraftstoffe auch verzeichneten Kohleproduktion und -konsum 2010 überproportional starke Zuwachsraten – und zwar um 6,3 % (220 Mio. t Öläquivalent) bzw. 7,6 % (250 Mio. t Öläquivalent). Auch hier
verschob sich der Verbrauchsschwerpunkt weiter in Richtung der Nicht-OECD-Staaten. Allein in China und Indien erhöhten sich die Verbrauchszahlen um 10 % (157 Mio. t Öläquivalent) bzw. 11 % (27 Mio. t Öläquivalent). Ähnlich wie bei den anderen aufgeführten Energieträgern schoss der OECD-Kohlekonsum steil in die Höhe, und zwar um 5,2 % (54 Mio. t Öläquivalent). Dies war der höchste Anstieg seit 31 Jahren – und das direkt nach einem 10%igen Konsumrückgang im Jahr davor. Mit diesen Werten verzeichnete Kohle den höchsten Verbrauchsanstieg unter allen fossilen Energieträgern. Auch der internationale Kohlehandel wuchs 2010 um geschätzte 17,5 % - und damit doppelt so schnell wie die eigentliche Nachfrage. Die Handelsströme verdeutlichten klare regionale Gefälle, bildeten vorhandene Preisdifferenzen ab und machten den ausgeprägten Wettbewerb auf dem internationalen Kohlemarkt sichtbar…
Erneuerbare
Zu einer Zeit, da die öffentliche Hand kaum Geld zu verteilen hat und CO2-Einsparungen eher zähe Fortschritte machen, erobern erneuerbare Energien – endlich – ihren Platz in den globalen Energieverbrauchsstatistiken. Dies ist
sicherlich nur ein erster Schritt, doch langsam kristallisieren sich die Grenzen und Potenziale dieser neuen Energiequellen heraus.
Unsere Daten erfassen sowohl den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung – Windkraft, Solarenergie, Geothermie, Biomasse und Müllverstromung – als auch Biokraftstoffe für den Transport, d. h. Ethanol und Biodiesel. Zusammengerechnet decken diese Energieträger 1,8 % des globalen Primärenergiekonsums im Jahr 2010 ab – davon 1,3 % bei der Stromerzeugung und 0,5 % im Bereich der Biokraftstoffe. Das ist nicht viel, stellt jedoch eine Verdreifachung des Anteils innerhalb eines Jahrzehnts dar. Allein in den vergangenen fünf Jahren haben erneuerbare Energien 10 % zum Primärenergiewachstum beigetragen – und damit mehr als mineralölbasierte Produkte.
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