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11.06.2012, 08:51

Russen fürchten Billig-Öl

MOSKAU. - Der Ölpreis hat seinen seit sechs Wochen dauernden Abstieg fortgesetzt, schreibt die Zeitung „Moskowskije Nowosti“ am Samstag. Das letzte Mal war ein derartiger Preisrutsch im Dezember 1998 zu erkennen gewesen. Die Gründe des aktuellen Rückgangs liegen darin, dass die Euro-Krise die Weltwirtschaft mit einer neuen Rezession bedroht, weshalb die Rohstoffnachfrage nach unten geht. In der kommenden Woche wollen die OPEC-Länder diese Situation besprechen. Wenn bestätigt wird, dass 100 Dollar pro Barrel der beste Ölpreis ist, wird sich der Markt wohl beruhigen. Zum zeitweiligen Anstieg des Ölpreises könnte ein Triumph der EU-Anhänger bei den Parlamentswahlen in Griechenland verhelfen.

Die langfristigen Prognosen machen den Ölexportländern jedoch kaum Hoffnung auf bessere Zeiten. Die Bank of America hat vor kurzem die Prognose für Öl der Sorte Urals für die zweite Jahreshälfte von 104 auf 97 Dollar gesenkt. Das hängt ebenfalls mit der niedrigen Nachfrage wegen der gestiegenen Risiken einer weltweiten Wirtschaftsflaute zusammen. Die Bank skizzierte ein apokalyptisches Szenario. Falls Griechenland die Eurozone verlässt, kann der Ölpreis im Laufe von 18 Monaten auf 60 Dollar sinken.

Dieser Preisverfall ist eine große Gefahr für Russland. Das russische Finanzministerium geht von einem Preis von 97 Dollar für das kommende Jahr aus. Bei einem Preis von 60 Dollar müssen die Reserven angezapft werden. Die russischen Behörden fürchten eine steile Talfahrt des Ölpreises. Ende 2008 waren die Ölpreise von 147 im Sommer auf 32 Dollar gefallen. Bei der russischen Regierung geht die Angst um. Doch es gibt eine Hoffnung. Auf einen Preisrückgang folgt immer ein starker Anstieg. Im ersten Quartal dieses Jahres hatte der Preis der Ölsorte Urals seinen Höchststand erreicht.

In den vergangenen zwölf Jahren erlebte Russland entweder ein starkes Wachstum der Ölpreise oder einen Öl-Schock. Es gibt aber auch eine dritte Entwicklungsvariante, die für Russland besonders gefährlich ist, - keine Katastrophe auf dem Ölmarkt, sondern stabile, aber nicht besonders hohe Ölpreise. Deshalb muss der Haushalt strenger geplant werden.

Zugunsten einer solchen Entwicklung spricht die im Mai veröffentlichte langfristige Prognose der Analysten von CitiGroup. Demnach wird der Rohstoffmarkt nicht von Griechenland und der Europäischen Zentralbank abhängen, sondern von neuen Technologien. Die zunehmende Förderung von Schieferöl in den USA werde dazu führen, dass die USA weniger importieren und die Exporteure neue Märkte erschließen werden. Laut der Prognose wird der Preis von Brent-Öl in fünf bis sechs Jahren auf 85 Dollar sinken. Dies würde für Russland nur eines bedeuten: Die russische Regierung wird kein überschüssiges Geld haben.

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