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23.05.2012, 07:23

Hohe Öl- und Benzinpreise gefährden Weltkonjunktur

HAMBURG. - Anhaltend hohe Preise für Erdöl und Benzin „könnten die Erholung der Konjunktur strangulieren und die Weltwirtschaft zurück in die Rezession treiben", warnte Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA), im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Capital (Ausgabe 6/2012).

Die IEA, ein Zusammenschluss der großen Erdöl-Verbraucherstaaten, entscheidet im Krisenfall über die koordinierte Freigabe der strategischen Öl- und Benzinvorräte des Westens. Birol lehnt es entschieden ab, diese Vorräte anzuzapfen, da ein echter physischer Angebots-Engpass nicht vorliege.

„Europas Politiker sollten sich lieber Gedanken machen, wie wir unsere Abhängigkeit vom Öl verringern", forderte der Ökonom. Die Importrechnung der EU für Öl werde 2012 auf einen Rekord von rund 500 Milliarden US-Dollar pro Jahr steigen. Während US-Präsident Barack Obama strengere Verbrauchsstandards für Fahrzeuge beschlossen habe und neue Techniken zur Erschließung von Ölvorkommen fördere, sei auf dem alten Kontinent nichts dergleichen passiert.

Birol prognostizierte ein jahrelanges Hoch an den internationalen Rohöl-Märkten. Es sei nicht zu erwarten, dass die Kurse signifikant unter die jetzigen Niveaus fallen. „Es sei denn, wir erleben eine richtig tiefe Rezession." Der globale Verbrauch von derzeit 89 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag werde weiter steigen.

Eine Schlüsselrolle für den Weltmarkt wies der IEA-Chefvolkswirt dem Irak zu. Mit einigen Anstrengungen könne das Land seine gegenwärtige Förderung von drei Millionen Fass pro Tag in den kommenden fünf Jahren verdoppeln. „Wenn der Irak seine Produktion nicht erheblich steigern kann, wird uns das allen große Probleme bereiten", sagte Birol.

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