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26.09.2011, 12:06

UPDATE 26. September: Importeure widersprechen dena-Studie

Mineralöl-Mittelstand lehnt staatliche Maßnahmen zugunsten von Raffinerien ab

BERLIN. - Die unabhängigen mittelständischen Mineralölimporteure und -großhändler weisen Empfehlungen und Forderungen einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena)* zurück, die auf eine politische Unterstützung der internationalen Mineralölindustrie in Deutschland hinauslaufen. „Die mit Unterstützung der Mineralölindustrie entstandene dena-Studie soll den Weg bereiten für staatliche Maßnahmen zugunsten der Industrie und zulasten des Mineralöl-Mittelstandes. So redet die dena beispielsweise einem Umbau der Mineralölbesteuerung das Wort, der Dieselkraftstoff unattraktiver machen soll. Oder sie spricht sich für die Mitverarbeitung von Biokomponenten im Raffinerieprozess aus. Die Vorschläge haben den Effekt, dass der unabhängige Mineralöl-Mittelstand als Wettbewerbskorrektiv im Dieselgeschäft geschwächt wird. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass die Politik den dena-Vorschlägen folgen wird“, sagt Rainer Winzenried, Geschäftsführer des AFM+E-Aussenhandelsverband für Mineralöl und Energie e.V., Berlin.
Die Ansicht der dena, dass Mineralöl in den nächsten Jahrzehnten ein zentraler Energieträger bleiben und der Verkehrssektor auch in 2030 noch stark von fossilen Kraftstoffen abhängig sein wird, wird dagegen vom AFM+E geteilt. Die Prognose, dass die Zuwächse im Straßengüter- und Flugverkehr sowie in der Schifffahrt einen anhaltend hohen Bedarf an den Mitteldestillaten wie Diesel und Kerosin erwarten lassen, während Benzin zunehmend weniger nachgefragt wird, entspricht auch den Einschätzungen des AFM+E.

Raffinierien zu stark auf Benzin ausgelegt

Den Bedarf von Dieselkraftstoff, Flugkraftstoff und Heizölen können die deutschen Raffineure mit den bestehenden Kapazitäten nicht decken. „Das ist zu einem guten Teil ein hausgemachtes Problem. Die deutschen Raffinerien sind noch immer stark auf die Erzeugung von Benzin ausgelegt, obgleich dieser Kraftstoff bereits seit über zehn Jahren immer weniger nachgefragt wird. Die Mineralölindustrie hat es versäumt, sich mit Investitionen an die steigende Diesel- und Flugkraftstoff-Nachfrage anzupassen“, erläutert Winzenried.
Die recht große Versorgungslücke bei einigen Produkten muss traditionell durch Importe gedeckt werden. „Die Versorgung Europas und Deutschlands durch Produkteinfuhren funktioniert seit Jahrzehnten reibungslos. Sie ist eine Domäne der unabhängigen Importeure, die jetzt mit dem Argument der besonderen Effizienz deutscher Raffinerien ausgetrocknet werden soll“, so Winzenried.
Als unzutreffend bezeichnet der AFM+E daher die Aussage von dena, Importe von Rohöl seien sicherer als der alternative Import fertiger Mineralölprodukte. Der Ausfall Libyens als Rohöllieferant und die Produktionsrückgang in der Nordsee sprechen eine andere Sprache. „Die heimischen Raffinerien werden niemals in der Lage sein, volle Versorgungssicherheit zu gewährleisten und ausreichend Ware an jedem Ort zur Verfügung zu stellen. Daher benötigen wir beides – eine flexible Produkten-Importversorgung und große, flexible Raffinerien“, betont der AFM+E-Geschäftsführer.
Wenn man von einigen unabhängigen Raffineriebetreibern absieht, ist auch nur der unabhängige mittelständische Import- und Großhandel in der Lage, als Preiskorrektiv im Mineralölmarkt zu wirken. Auch die von dena favorisierte Mitverarbeitung von Biokomponenten im Raffinerieprozess (Co-Hydrierung) und die Anrechenbarkeit der so gewonnenen Erzeugnisse auf die Bioquote begünstigen allein die Mineralölkonzerne. Durch diesen Eingriff in den Wettbewerb werden die bestehenden oligopolistischen Strukturen weiter gestärkt. „Das gravierende daran ist“, so Winzenried, „dass die Stärkung der Konzerne gerade im Marktsegment Dieselkraftstoff stattfinden wird, in dem der unabhängige Mineralöl-Mittelstand seine Funktion als Versorger und Wettbewerbskorrektiv besonders wirksam ausfüllt.“

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Beitrag vom 23. September 2011

BERLIN. - Im Jahr 2030 wird Mineralöl mit einem Anteil von 58 bis 84 Prozent weiterhin der bedeutendste Energieträger im Verkehrssektor sein. Im Zuge der Energiewende kommt es deshalb auch bei der Mineralölversorgung auf Energieeffizienz an. Die deutschen Raffinerien produzieren derzeit um etwa zehn Prozent effizienter als die Anlagen im weltweiten Durchschnitt. Diesen Vorteil können sie aber in den nächsten Jahren aufgrund der steigenden Dieselnachfrage verlieren. Das ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena).

Raffineriestandort Deutschland erhalten

"Der Raffineriestandort Deutschland soll erhalten bleiben. Die Mineralölversorgung als zentraler Faktor in der Energiepolitik muss deshalb entsprechend berücksichtigt werden. Wer die Energiewende will, muss auch beim Erdöl ansetzen", sagte Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, bei der Präsentation der Raffineriestudie in Berlin. "Gerade im Verkehrssektor wird Öl noch lange dominieren. Wenn wir möglichst schonend mit den Energieressourcen umgehen wollen, müssen wir daher auch darauf achten, dass die Kraftstoffe selbst effizient produziert werden. Die deutschen Raffinerien sind hier führend. Diesen Vorsprung müssen wir beibehalten."

Die deutschen Raffinerien verfügen über eine effiziente Anlagentechnik. Sie beziehen ihr Rohöl vor allem über Pipelines und ihre Standorte sind nahe bei den Kunden. Dies sorgt für einen geringen Energieaufwand beim Transport und erlaubt eine effiziente Verteilung der Produkte.

Aufgrund von technischen Effizienzsteigerungen wird zwar der Kraftstoffbedarf im Pkw-Bereich nach den Szenarien der Bundesregierung bis 2030 stark zurückgehen. Doch wegen der erheblichen Zunahme der Transportleistung im Güterverkehr wird Mineralöl im Verkehrssektor weiterhin eine wesentliche Rolle spielen.

Trend zu mehr Diesel große Herausforderung

Eine große Herausforderung ist der Trend zu mehr Diesel, da dies die Effizienz der Mineralölproduktion gefährdet. Laut dena-Studie ist damit zu rechnen, dass der Dieselanteil am Kraftstoffverbrauch in Deutschland weiter stark zunehmen wird. Wurde im Jahr 2000 noch ungefähr gleich viel Diesel wie Benzin hergestellt, übertraf die Dieselproduktion die Benzinproduktion 2010 bereits um mehr als 40 Prozent. Ohne Gegenmaßnahmen könnte 2030 fast dreimal mehr Diesel als Benzin nachgefragt werden. Dafür ist vor allem das Wachstum im Straßengüterverkehr verantwortlich.

Abhängig von der Beschaffenheit des Rohöls und der Anlagenstruktur der Raffinerien können die verschiedenen Mineralölprodukte - von Benzin über Kerosin, Diesel und Heizöl bis zu Schwer- und Schmieröl - nur in einem bestimmten Verhältnis effizient produziert werden. Eine Steigerung des Diesel- und Kerosinanteils ist nur durch Erweiterung der Raffinerien um weitere Verarbeitungsanlagen möglich. Diese arbeiten allerdings sehr energieintensiv. Insgesamt steigt damit der Energieverbrauch bei der Raffination. Künftig kann das die Effizienzvorteile des Dieselantriebs zunichte machen. Der zunehmende Flugverkehr droht die Effizienz in der Mineralölproduktion zusätzlich zu verschlechtern, da Kerosin mit Diesel verwandt ist.

Diesel steuerlich nicht mehr begünstigen

Aufgrund der negativen Effekte eines steigenden Diesel- und Kerosinanteils auf die Energie- und Ressourceneffizienz der Mineralölproduktion sind fiskalische Anreize zur vermehrten Dieselnutzung zu vermeiden. Auch entsprechende Initiativen auf EU-Ebenefür eine energiebezogene Mineralölbesteuerung sind vor diesem Hintergrund positiv zu bewerten und zu unterstützen.

Großes Potenzial bieten die Raffinerien für die Mitverarbeitung von Biokomponenten: Statt fertige Biokraftstoffe in eigenen Anlagen herzustellen, eignen sich verschiedene Vorprodukte auf Biomassebasis, beispielsweise Pyrolyseöle, auch gut für eine Weiterverarbeitung in Mineralölraffinerien. Die Nutzung bestehender Raffineriekapazitäten kann so zur Wirtschaftlichkeit der Biomassenutzung beitragen. Voraussetzung hierfür ist, dass der Einsatz von Biokomponenten in Raffinerien auch auf die Biokraftstoffquote angerechnet wird.

Außerdem können die Hersteller mit der Entwicklung von sparsameren Lkw, Flugzeugen und Schiffen dazu beitragen, den Anstieg der Nachfrage nach Diesel und Kerosin abzuschwächen.

Eine Zusammenfassung kann hier heruntergeladen werden.

Die Langfassung "Ungeliebt , aber unentbehrlich. Bedarf und Produktion von Mineralöl im künftigen Energiemix" kann hier heruntergeladen werden.

Vorschaubild: Raffinierie Dollbergem

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