Woran wird es wohl liegen, dass die Medien sich mit solcher Hingabe auf die Spritpreisdiskussion stürzen? Nun, da gibt es sicher mehrere Gründe: Zum einen steigen die Preise tatsächlich, das ist ärgerlich. Außerdem sind viele Leute betroffen. Das ist günstig. Nicht für die Autofahrer, aber für Medien und Politiker umso mehr. Letztere können sich sicher sein, dass ihre Botschaften breite Bevölkerungsschichten interessieren. Und wer macht nicht gern Pluspunkte auf Kosten anderer? Da sind wir schon beim dritten Grund: Es lässt sich ganz einfach ein Schuldiger ausmachen, auf den man gemeinsam mit ganz dickem Finger zeigen kann und der seine Preise auch noch so groß und breit veröffentlicht, dass sich sogar diejenigen drüber aufregen können, die gar nicht tanken müssen.
Und Kraftstoff ist eben kein Pudding. Den kann man nach dem Verfallsdatum zum halben Preis kaufen und schnell essen, mit dem guten Gefühl, jetzt richtig preiswert zu schlemmen und der genussverstärkenden Schadenfreude, dass die anderen das Doppelte bezahlen mussten.
An der Tankstelle gibt es keinen reduzierten Sprit von vergangener Woche. Preisunterschiede zeigen vor allem, wie die Anbieter um den Kunden kämpfen. Analoge Preisentwicklungen sind nicht zu vermeiden, da alle Mineralölunternehmen im gleichen Markt einkaufen.
Das Bundeskartellamt lässt dennoch nicht locker. Wenn schon kein Kartellrechtsverstoß, so doch wenigstens „Parallelverhalten“ oder „Reaktionsverbundenheit“. Heraus kommt immer der gleiche Vorwurf: Die Mineralölwirtschaft übervorteilt ihren Kunden. Einmal sauer, überträgt der das dann aufs Heizölgeschäft und es fällt schwer zu vermitteln, dass die Branche weder an der Tanke noch im Wärmemarkt der Gewinner hoher Preise ist.
Australische oder österreichische Modelle zur Regulierung der Kraftstoffpreise sind Medienschlachten, die zu nichts führen. Das zeigen die Erfahrungen in den Ländern, aus denen die Verfahren stammen.
Nun will Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler den transparenten Tankstellenmarkt noch transparenter machen – mit einer „Markttransparenzstelle", wie sie schon für Gas und Strom geplant ist.
Bei Stichworten wie Steuerermäßigung oder Entfernungspauschale lehnt sich die Politik indes zurück, wobei häufig vergessen wird, dass die Pendlerpauschale, wie sie im Volksmund heißt, 2004 erst gekürzt worden ist. Stattdessen legt das Bundesumweltministerium Studienergebnisse vor, nach denen erneuerbare Energie im Unterschied zu Kohle, Öl und Gas in den nächsten Jahrzehnten billiger würde. Hoffnung auf eine ferne Zukunft – wie praktisch. Im Wärmemarkt sieht es derzeit nicht so aus und die Logik lässt einen solchen Schluss auch nicht zu. So wird Brennholz bei steigender Nachfrage seit Jahren knapper und teurer.
Herzlichst Ihr
Hans-Henning Manz
redaktion[at]brennstoffspiegel.de
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Von Werner Ottlik
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