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04.07.2012, 12:23

Wohin bloß mit dem Schweinehund?

WÜRZBURG. - Neulich, bei der Verbandstagung der süd- und westdeutschen Mineralölbranche: Forschen Schrittes schwingt sich ein Mann auf die Bühne. Er strahlt Selbstbewusstsein aus. Es ist Marco von Münchhausen, Autor diverser Bestseller. Seine Bücher drehen sich um Motivation, Stress und den inneren Schweinehund. Sein Vortrag steht als Festrede und Highlight im Tagungsprogramm – das Thema „Motivation“ ist für die Teilnehmer nicht uninteressant. Schließlich ist der Markt, „ihr“ Markt, derzeit nicht gerade einfach. Bei sinkendem Absatz braucht’s neue Ideen. Doch wie raus aus den alten Gleisen?

Marco von Münchhausen begeisterte auf der Würzburger Tagung seine rund 200 Zuhörer. - Foto: Ceto/Manz

Marco von Münchhausen begeisterte auf der
Würzburger Tagung seine rund 200 Zuhörer.
Foto: Ceto/Manz

Um Münchhausens Ausführungen („Den inneren Schweinehund überwinden!“) zu hören, waren viele im Saal schon vorauseilend gehorsam, haben den inneren Schweinehund an diesem zweiten Versammlungstag bereits zu ersten Mal überwunden – die Nacht zuvor war nämlich nicht die längste. Der Saal ist also voll, und Münchhausen liefert sogleich Impulse: „Unser Ziel ist eine kleine Grenzerweiterung, die wir behutsam angehen müssen.“ Denn da gebe es unsichtbare Barrieren um und in uns. „Die Grenzen zur Wachstums- und Risikozone sind vom inneren Schweinehund gut bewacht“, ruft Münchhausen. Besagtes Mischlingswesen hat er auch optisch dabei – mit Beamer an die Wand geworfen, urkomisch.

Überall dort, wo es um eine Reise ins Ungewisse gehe – dienstlich und privat – rufe das Verlassen der Komfortzone das ungeliebte Tierchen herbei. „Der innere Schweinehund ist ein Entscheidungsverhinderer.“ Der Motivations-Coach sagt: Sätzen mit „ich könnte, ich müsste, ich sollte“ wohne zwar eine richtige Erkenntnis inne. „Aber alle diese Sätze haben keinen Handlungsimpuls!“ Es gilt, die Erkenntnis retten: Nur wenn der Veränderungswunsch konkret ist, gibt es eine gute Chance. Beispiel: „Ich laufe ab morgen jeden Tag 15 Minuten!“ Das folgende bringt dagegen nix: „Ich sollte versuchen, mehr Sport zu treiben.“ Denn der „Versuch“ öffnet schon zu Beginn das Hintertürchen, und eine „Mehr-oder-weniger“-Relation wäre in etwa so unsinnig, wie bei einer Heizöl-Bestellung zu sagen: „Liefern Sie mir mehr als beim letzten Mal.“

Gefährlich sind vor allem Ausnahmen. Denen ist Münchhausen selbst schon auf den Leim gegangen, wollte er für den Weg zur Arbeit doch unwiderruflich das Rad nehmen. Dann eines Tages ein wenig Nieselregen, der Blick zur Garage. Was passierte? „Mein Schweinehund sprang auf den Autorücksitz, und ich habe das arme Viech ins Büro gefahren!“ Nach zehn Tagen sei das Auto wieder die erste Wahl gewesen.

Einschläfern sei aber keine gute Option für den Schweinehund. Denn ohne eine Bremse „könnten Sie eine Leistungsmaschine sein“. Es ist ein Votum fürs gelegentliche Nixtun. Wenn es ums Tun geht, auch ums geschäftliche, rät Münchhausen, die Macht von Bildern zu nutzen. Ein kleines Experiment im Saal zeigt, dass die abgedroschene Phrase „Bilder sagen mehr als Worte“ noch immer gilt. Der Experten-Tipp: „Machen Sie sich einen inneren Film. Und sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter ein klares Bild ihrer Anforderungen vor Augen haben.“ Dann sei es einfacher, mit dem Schweinehund klarzukommen.

Über Parameter wie Glück und Zufriedenheit sagt das noch nichts. „Das ist eine Frage der Betrachtung“, sagt Münchhausen. Man müsse sich schon selbst entscheiden: Dinge positiv oder negativ sehen ist eine Frage des Prinzips. „Die Natur hat uns zwar programmiert, zu überleben – aber nicht, dabei zufrieden zu sein.“ Wichtig dafür: eigene Fähigkeiten und Herausforderung der Aufgaben in ein gesundes Verhältnis bringen. „Über- und Unterforderung zerstören jegliche Motivation“, sagt der Coach. Idealfall sei, sich an der Grenze der Fähigkeiten zu bewegen (entspannte Höchstleistung). Und wenn die erst noch gefunden werden muss, gibt Münchhausen abschließend ein paar Tipps: „Nehmen Sie sich nur eine Sache auf einmal vor. Gewähren Sie dieser Vorfahrt – gehen Sie beispielsweise gleich früh laufen.“ Und: Klein anfangen und langsam steigern.

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